Qi – Grundlage des chinesischen Denkens

Gutes Qi, gutes Feng Shui!

QiQi (auch Ch’i oder Chi geschrieben) ist das wesentliche Konzept der traditionellen chinesischen Wissenschaften und Künste.
Für Feng-Shui-Praktiker ist es daher unabdingbar, Qi zu schätzen. Denn welcher gedanklichen Feng-Shui-Schule auch immer gefolgt wird: Hauptziel bleibt stets die Verdeutlichung des Qi-Gehalts eines Ortes.

Das Schriftzeichen

Das Schriftzeichen für “Qi” symbolisiert “Dunstbildung über Reis”. Es setzt sich aus den Zeichen für “Dampf”, “Dunst” bzw. “Wolken” (oberes Zeichen) und “Reis” (unteres Zeichen) zusammen. Die Kombination verbildlicht einen wichtigen und für uns Europäer durchaus gewöhnungsbedürftigen Aspekt: Qi kann sowohl immaterieller Natur (der leichte, flüchtige Dampf) als auch materieller Natur (der dichte, nährende Reis) sein.

Heutzutage ist der Begriff “Qi” äußerst vielschichtig besetzt. Eine eindeutige Übersetzung ist daher kaum möglich. In Zusammenhang mit den chinesischen Künsten kommt ihm vielleicht das hebräische “ruach” am nächsten, das meist mit “Lebensatem” übersetzt wird.

Qi – Wurzel allen Seins

Der chinesischen Philosophie zufolge durchdringt und begleitet Qi alles, was existiert. Auf der menschlichen Ebene ist es die Energie, die entlang der Akupunkturmeridiane des Körpers fließt und die, wenn an den richtigen Stellen konzentriert, einen Kampfkünstler zu erstaunlichen Leistungen führen kann. Auf der Ebene des Ackerbaus ist es die Kraft, die, wenn sie nicht stagniert, fruchtbare Pflanzen hervorbringt. Auf der klimatischen Ebene ist es die Energie, die vom Wind und vom Wasser getragen wird.

Meister Joseph Yu führt in seinem Feng-Shui-Fernkurs weitere Beispiele an:

Qi erleben

Mit Hilfe der westlichen Wissenschaft lässt sich Qi bis dato nicht nachweisen. Seine Existenz ist nur subjektiv erfahrbar.
Wer Qi wahrnehmen möchte, muss sich dies selbst demonstrieren. Am ehesten gelingt dies durch die Praxis der chinesischen Kampfkünste. Es ist daher kaum verwunderlich, dass viele ernsthafte Feng-Shui-Praktiker QiGong, TaijiQuan oder andere asiatische Kampfkunst-Arten betreiben. Aber auch Menschen, die sich beispielsweise einer erfolgreichen Akupunktur-Behandlung unterzogen haben, werden bestätigen können, dass dem Konzept “Qi” eine fühlbare Kraft zugrunde liegt.

Eine Einstiegs-Übung, mit deren Hilfe Qi wahrgenommen werden kann, beschreibt Johndennis Govert in “Feng Shui – Harmonie zwischen Himmel und Erde”:

Eine sehr einfache [Übung] besteht darin, fünfzehn Sekunden lang kräftig die Handinnenflächen gegeneinander zu reiben. Danach halten Sie Ihre Handflächen etwa 25 cm auseinander. Halten Sie Ihre Hände auf Höhe des Bauchnabels, etwa 15-20 cm von Ihrem Körper entfernt. Entspannen Sie sich! Sie werden eine leichte magnetische Anziehungskraft zwischen den Handflächen spüren. Wenn es Ihnen schwerfällt, diese wahrzunehmen, führen Sie Ihre Handflächen näher zusammen, bis Sie die Kraft fühlen. Spielen Sie leicht mit dem magnetischen Gefühl, indem Sie die Hände mal näher zusammenbringen, mal weiter auseinanderziehen. Durch diese Übung erhöht sich der Qi-Fluss, und es wird Ihnen fortan leichter fallen, dieses Phänomen wahrzunehmen.

Alles im Fluss – Qi im Feng Shui

Eine der grundlegenden Ideen der chinesischen Philosophie ist, dass Qi in der Lage ist, unterschiedliche Zustände anzunehmen. Es kann sich sammeln oder verstreuen, ab- oder zunehmen, trübe oder klare Zustände annehmen, aber auch abfließen, verstopfen oder stagnieren.
Im Feng Shui geht es darum, vitales Qi in unseren Lebensräumen einzufangen, anzusammeln und in einen harmonischen Fluss zu bringen, der dem Menschen wohl tut. Denn das Qi unserer Lebensräume hat eine direkte Auswirkung auf unsere Lebensqualität. Ist das Qi unserer Umgebung im Fluss, wird sich dies positiv auf unser Wohlbefinden, unsere Beziehungen und unser Glück auswirken.

Qi fließt harmonisch, wenn es einem Flusslauf gleicht, der in sanften Kurven durch das Gelände mäandert. Stagniert es oder fließt es zu gradlinig und schnell, gilt dies meist als ungünstig. (Wer möchte schon an einem brackigen Tümpel oder direkt an einem reißenden Strom leben?)

Wenn Sie den Qi-Fluss in Ihrem Lebensraum beurteilen möchten, reicht es oftmals aus, das eigene Umfeld einmal bewusst wahrzunehmen. Schauen Sie sich Ihre (häusliche) Umgebung dabei aus Sicht einer sanft fließenden Welle an.
Beginnen Sie mit dem Eingangsbereich. Dort wird das meiste Qi in Ihr Zuhause geleitet. Wirkt der Eingang offen und freundlich? Heißt er Besucher willkommen? Danach setzten Sie den Weg fort: Sind alle Bereiche Ihres Zuhauses harmonisch miteinander verbunden? Oder gibt es lange, pfeilgerade Wege, die zu einer unnatürlichen Beschleunigung anregen? Stoßen Sie auf Blockaden oder Hindernisse, welche eine kontinuierliche Fortbewegung ausbremsen? Und, “last but not least”: Existieren Inseln, an denen sich Qi sammeln und zirkulieren kann?

Literatur-Tipp:


Qi – Lebenskraftkonzepte in China. Definitionen, Theorien und Grundlagen

Manfred Kubny. Karl F. Haug Fachbuchverlag 2002, Taschenbuch, 583 Seiten, € 79,95

5.0

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